Beflockung: Mit dem besonderen Touch
Modelleisenbahner kennen das schon. Ein Fußballplatz soll neben den Rangierbahnhof? Kein Problem. Sprühkleber, grüne Flocken, fertig. Das Gebirgsdorf braucht eine winterliche Optik? Sprühkleber, weiße Flocken, fertig. Die gute Nachricht: Was in H0 möglich ist, das klappt auch auf A4.
Beflockung. In der Textilbranche ist sie gang und gäbe. Fußballtrikots hier, Dessous dort, T-Shirts und Gardinen, Dekostoffe und technische Gewebe. Auch die Verpackungsindustrie hat die Technik längst übernommen, um Behältnissen für höherwertige, anspruchsvolle Güter einen exklusiven Anstrich zu geben. Allenthalben bekommt ein Trägergewebe den besonderen Touch durch den Auftrag einer zusätzlichen Schmuckebene. Touch, genau darum geht es: Beflockung ist nicht nur etwas für die Augen, auch der Tastsinn bekommt etwas zu tun. Und damit wird diese Veredelungstechnik zum Thema für nahezu jedes Druckprodukt. Denn dank moderner Verfahren ist das alte Gegenargument „zu teuer“ inzwischen überholt.
Der Ursprung der Flocktechnologie begann schon vor rund 3000 Jahren. Damals waren es die Chinesen, welche die Urform der Beflockung erfanden. Auf textile Trägermaterialien wurde ein Harzleim aufgebracht, auf den anschließend Naturfasern gestreut wurden. Die Verschönerung und optische Aufwertung von Gegenständen war der Ursprung der Beflockung. In mittelalterlichen Klöstern bediente man sich später dieser Technik, um mit Hilfe von Holzmodeln und in einem Mörser zerstoßenen Naturfasern Wanddekorationen herzustellen.
Erst im 19. Jahrhundert lebte die Beflockung wieder auf. Auch diesmal wurden zuerst Wandtapeten für die Innenraumdekoration hergestellt, deren „königliche Exklusivität“ noch heute in vielen französischen Schlössern bewundert werden kann. Gleichzeitig wurde mit der Entdeckung der Elektrostatik und der Tatsache, dass mithilfe von elektrischen Kräften Teilchen bewegt werden können, die theoretische Grundlage für die elektrostatische Beflockung geschaffen.
Erste Ansätze, die mechanische Beflockung durch Elektrostatik zu unterstützen, finden wir in den 30er-Jahren vor allem in den USA, später auch in Europa. Nachdem es deutschen Ingenieuren gelungen war, Systeme zu entwickeln, die ausschließlich mit Gleichspannung arbeiteten, begann der Siegeszug der elektrostatischen Beflockung. Hierbei arbeiten alle Beteiligten, die Flockhersteller, die Klebstofflieferanten, die Maschinenbauer und die Industriebetriebe eng zusammen, um der Beflockung ein immer weiteres Anwendungsgebiet zu eröffnen. Heute ist die elektrostatische Beflockung in der Lage, mit hochtechnologischen Anlagen und ausgereiften Materialien nahezu jede Oberfläche zu veredeln und somit dem Trägermaterial nicht nur eine bessere Optik, sondern, was heute oft noch wichtiger ist, weitere Eigenschaften zu verleihen.
Diese Eigenschaften sind spürbar. Druckprodukte bekommen zusätzliche Tiefe, sprechen unterschwellig eine neue Sprache, wie sie schon durch die Veredelungsform „Prägung“ am Markt bekannt ist. Doch dieser Effekt ist stärker, intensiver. Eine beflockte Haptik wird generell als wärmer empfunden. Die mit den Fingerspitzen wahrnehmbare Erhabenheit verleiht dem bedruckten Papier eine Dreidimensionalität, die zum Erlebnis wird. Ein Erlebnis, das bei jedem Berühren neu empfunden wird und immer wieder Phantasie und Sinne anregt. Gerade wenn es gilt, ein Produkt nachhaltig aus der Masse herauszuheben, erweist sich die Beflockung als wirkungsvolles Instrument für Kreativität mit Anspruch. Sie öffnet im wahrsten Sinn des Wortes eine neue Dimension.
Weiterführende Links:
- Kessler-Report (Dez. 07): Beflockung








