Holzdruck - MicroWOOD®
Seit Jahrtausenden umgibt sich der Mensch mit Holz und nutzt dessen Eigenschaften als Baustoff, bei der Möbelherstellung oder als Heizmaterial. In einem völlig neuen Licht erscheint das Altvertraute jedoch, wenn sich neue Anwendungsmöglichkeiten auftun. Ein Zeitschriftencover, ein Briefumschlag oder eine Visitenkarte aus echtem Holz sind nicht nur ungewohnt, sie verblüffen regelrecht. In Form von MicroWOOD® kann Holz nun bedruckt, gefalzt und veredelt werden, und Gestaltern eröffnet sich eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten mit einem lebendigen und immer wieder faszinierenden Werkstoff.
Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht - dieses Phänomen dürfte wohl jedem bekannt sein. Doch selten tritt dieser Umstand so offensichtlich zutage. Auf der Creative Paper Conference 2008 berichtete der Produktioner Sven Schmiede (www.produktionsschmiede.de) von einer Diskussion, die er in einem Internetforum für Druckveredelung verfolgte. Ein Teilnehmer suchte nach einem Werkstoff, der aussah, sich anfühlte und sich verhielt wie echtes Holz. Verschiedene geprägte Papiere wurden vorgeschlagen, Folien und Kaschierungen. Auf die naheliegendste Lösung, nämlich echtes Holz zu verwenden, schien niemand zu kommen. Dabei ist dieser Werkstoff längst erhältlich und zudem in einer Form, die ihn auch für bisher nicht für möglich gehaltene Anwendungen prädestiniert.
Geschichte
Ursprünglich bereitete man Hölzer in diesem Segment vor allen Dingen für die Verpackungsindustrie auf und verwandte sie beispielsweise für Zigarrenkisten. 1955 wurde in Berlin die Firma Mikroholz GmbH & Messner Co. ins Leben gerufen, ihr Gründer, Peter Meissner, übersiedelte allerdings einige Jahre darauf nach Zaventem in Belgien. Mitte der achtziger Jahre folgte sein Schwiegersohn Wolfgang Schirrmann nach und übernahm nach dem Tod des Firmengründers die Geschäfte. Unter seiner Leitung lancierte die Firma MicroWOOD unter dem Namen W.T.+T. bvba (Wood Transformation and Technology) 1990 ein neues, innovatives Konzept und war nun technisch in der Lage, Zedernholzfurnier in bisher unbekannter Dünne herzustellen - das Verfahren ist bis heute weltweit einzigartig. Inzwischen bietet W.T.+T. Furniere in verschiedenen europäischen, amerikanischen und afrikanischen Hartholzsorten an, so zum Beispiel Ahorn, Buche, Kirsche, Nussbaum, Mansonia und Bossé (Unterart der Zeder). Da einige Hölzer spröder sind als andere, variiert die Dicke zwischen 0,23 und 0,55 Millimetern. Trotz der geringen Stärke sind die Furniere allerdings sehr elastisch und bieten sich deshalb für unterschiedlichste Verwendungszwecke an.
Wie entsteht MicroWOOD®?

Zunächst wird die Rinde vom Stamm entfernt und der Baum in etwa ein Meter lange Stücke zerteilt. An den Stirnseiten der Baumstücke werden nun Spindeln befestigt, sodass der Stamm um seine eigene Achse rotieren kann. Danach schält ein Messer eine zehn Millimeter dicke Schicht ab; das Abschälen erfolgt entlang der Jahresringe. So entsteht ein hölzernes Endlosband, das von Hand in S-Schleifen abgelegt wird. Aus jedem Block können zwischen fünf- und sechshundert laufende Meter gewonnen werden. Mithilfe von Spezialmaschinen wird das Furnier schließlich mit Klebstoff behandelt und kaschiert. Das fertige Produkt besteht dann aus fünf Lagen: Holz, Papier, Flies, Papier und Holz. Durch diese Verbindung erhält das Holz eine wesentlich größere Flexibilität bei nach wie vor sehr geringer Stärke.
Produkt-Palette
MicroWOOD® bietet reine Furniere in insgesamt sechs Sorten an. Darüber hinaus hat die Firma die sogenannte "Dreh-mich-Serie" im Sortiment. Dabei handelt es sich um "zweiseitige" Hölzer, also Furniere, die zwei Sorten kombinieren. Die Vorderseite zeigt beispielsweise Ahorn, während die Rückseite aus Nussholz besteht. Die Stärke dieser Kombinationsprodukte beträgt in etwa zwischen 0,45 und 0,55 Millimeter. Die Schwankungen kommen durch die unterschiedlichen Eigenschaften des jeweiligen Holzes zustande, und natürlich ist auch jeder einzelne Baum anders als sein Vorgänger. Die zweiseitigen Furniere verfügen über eine Grammatur von 320 bis 400 g/qm. Auf Wunsch fertigt W.T.+T. auch Furniere aus anderen Hölzern wie beispielsweise Apfelbaum.
Verarbeitung
Da MicroWOOD® dünn und sehr flexibel ist, lässt sich das Material ähnlich wie Papier verarbeiten. Die Holzfurniere können im Offset- sowie im Digitaldruck bedruckt werden, beim Offsetdruck sollte allerdings der Farbe etwa zwanzig Prozent Drucklack zugeführt werden. Eine originalgetreue Farbwiedergabe lässt sich durch den Einsatz von UV-Farben oder Folienfarben erzielen. Bei der Verarbeitung sollte der Anpressdruck erhöht werden, und die Holzmaserung muss parallel zum Druckwerk verlaufen. Die Laufrichtung gilt es unbedingt zu beachten, da es sonst zu Problemen in der Weiterverarbeitung kommen kann oder die Hölzer gar brechen.
Die novum-Ausgabe 01/09 mit Holzcover unterschied sich beispielsweise in folgenden Punkten von einer regulären Produktion: Das Material musste vor dem Druck auf Format geschnitten werden, es wurde bei einer Maschinenleistung von fünfzig Prozent in UV-Technik gedruckt, die Umschläge wurden separat genutet und der Klebebinder konnte ebenfalls nur mit einer Leistung von fünfzig Prozent arbeiten.
Zu beachten gilt weiterhin, dass die verschiedenen Sorten unterschiedlich spröde sind und jeder Bogen eine andere Maserung aufweist. Wird das Material vollflächig bedruckt, kann es also zu leichten Rissen und Unebenheiten kommen. Da es sich um ein Naturprodukt handelt, sollte MicroWOOD® vor Sonneneinstrahlung sowie vor starken Feuchtigkeitsschwankungen und Übertrocknung geschützt werden und es ist unbedingt empfehlenswert, Druck- und Verarbeitungstests durchzuführen.
Einsatzmöglichkeiten

MicroWOOD® lässt sich falzen, stanzen, perforieren, nuten, prägen sowie kaschieren und cellophanieren. Besonders reizvoll ist es, die Hölzer zu lasern - ein Service, den die Firma W.T.+T. ebenfalls anbietet.
Die Anwendungsmöglichkeiten von MicroWOOD® sind also sehr vielseitig und umfassen Einladungs- und Glückwunschkarten, Menüs und Visitenkarten, Kalender, Lesezeichen sowie Verpackungen aller Art, Lampenschirme, Mappen, CD-Hüllen, Briefumschläge und vieles mehr.
Umweltverträglichkeit
Die Lieferanten von MicroWOOD® sind zertifizierte Holzhersteller, die nachhaltige Forstwirtschaft betreiben. Kunden können allerdings auch speziell FSC- und PEFC-zertifizierte Hölzer nachfragen. Da MicroWOOD®-Produkte auch in der Zigarrenindustrie Verwendung finden, müssen Lebensmittelstandards eingehalten werden, und die Firma W.T.+T. lässt sich in regelmäßigen Abständen in puncto Lösungsmittel- und Pestizidfreiheit zertifizieren.
Kosten
Jeder Auftrag ist eine Einzelanfertigung, entsprechend einzigartig ist das Produkt, und Exklusivität hat bekanntlich ihren Preis. Anders als bei Feinpapieren gibt es keine Staffelpreise, die es erlauben, bei größeren Abnahmemengen Kosten zu sparen. Allerdings ist der Herstellungsprozess von MicroWOOD® auch sehr aufwendig und jedes Produkt eine Einzelanfertigung.
Kessler Druck + Medien ist in der Lage, MicroWOOD® im Digitaldruck zu bedrucken, was die Möglichkeit bietet, auch Kleinauflagen zu fertigen. Da Digitaldruckmaschinen keinen Zuschuss benötigen, können dadurch die Kosten weiter gesenkt werden.
Zu beachten
Bei der Verarbeitung muss unbedingt die Laufrichtung beachtet werden und die Holzmaserung parallel zum Druckwerk verlaufen. Und es empfiehlt sich, UV- oder Folienfarben zu verwenden.
Fazit
Wer ein MicroWOOD®-Produkt in Händen hält, weiß sofort, dass es sich um etwas Besonderes handelt. Haptik und Anmutung strahlen einen ungewöhnlichen Reiz aus und selbst einfache Anwendungen wie Briefumschläge und Grußkarten erzielen eine faszinierende Wirkung. Exklusivität hat natürlich ihren Preis, doch wer nach einem Material sucht, das nicht von der Stange kommt, edel wirkt und individuell gefertigt ist, findet bei MicroWOOD® sicher das Richtige.
Jedes Produkt ist ein Unikat und bildet somit eine reizvolle Alternative zu Feinpapieren.
Quelle: novum 01/09, Stiebner Verlag GmbH








